In den Flow kommen – auch bei lästigen Aufgaben

Flow und Gamification

Vermutlich hast Du so Deine speziellen Tätigkeiten, bei denen Du leicht in den Flow kommen kannst. Die habe ich auch. ABER … Was machst Du bei lästigen Arbeiten, die gemacht werden müssen?

Hältst Du es für möglich, auch hierbei den Flow Effekt zu spüren? Willst Du wissen, wie das geht?

Was ist dieser Flow eigentlich?

Der Flow Effekt ist schon viel länger bekannt, doch der Forscher Mihály Csíkszentmihályi (wahrhaft unaussprechlicher Name) gab dem Ganzen einen Namen. FLOW.

Einen langen und ausführlichen Artikel kannst Du bei Wikipedia nachlesen, aber das brauchst Du für die Anwendung gar nicht. Flow ist das Gefühl, das Du erlebst, wenn Du ganz in einer Tätigkeit aufgehst.

So oder ähnlich beschreiben Menschen ihren Flow-Effekt:

  • Das ist meine Leidenschaft
  • Da bin ich im Fluss
  • Dabei habe ich die Zeit vergessen
  • Da hatte ich einen Lauf

Mein Flow-Effekt

Diese Flow-Gefühle können bei ganz unterschiedlichen Tätigkeiten entstehen.
Hier 3 Beispiele von mir:

Vor 4 Wochen gab ich in Gießen ein Training für Flip-Chart-Präsentationen. Ich hatte dieses Training schon ein paar Mal gegeben, also stand mein Curriculum schon grob fest. Die Teilnehmer waren mit Begeisterung dabei und so kamen wir alle zusammen in einen Flow, der den ganzen Tag anhielt. Wir zeichneten den ganzen Tag. Dabei steigerte ich die Komplexität und den Anspruch für die Teilnehmer schrittweise. Im Gegenzug und mit wachsender Selbstsicherheit am Flip-Chart entlockten mir die Teilnehmer immer mehr Tipps und Tricks, so dass wir alle unseren Spaß hatten.

In den Sommermonaten gehe ich gerne in einen Hochseilgarten. Hier im Ruhrgebiet gibt es eine gute Auswahl und meine Frau und Freunde von uns gehen gerne mit. Der Parcours beginnt meist mit leichten Herausforderungen und steigert schrittweise den Schwierigkeitsgrad. Ich genieße die Bewegung an der frischen Luft und im Wald. Mein Kletter-Buddy ist bei mir und es geht um jeden einzelnen Schritt bei jedem Abschnitt.

Ein gutes Spiel sollte auch so designed sein, dass der Einstieg leicht, aber der Schwierigkeitsgrad zunimmt. Meine Frau und ich haben einen spielenden Freundeskreis und wir sind sogar in einer Brettspiele-Gruppe. Einmal im Jahr quartieren wir uns alle in einer Jugendherberge ein und spielen Brettspiele, was das Zeug hält. So auch vor einer Woche. Gute Spiele erzeugen im Körper Endorphine und manchmal bekommt man davon nicht genug. Jedenfalls waren wir als Team so gut, dass wir diese Jahr den Pokal gewonnen haben.

Und wie sehen Deine Flow-Erlebnisse aus?

Geht das auch bei lästigen Aufgaben?

Ja gut, bei Deiner Leidenschaft kommst Du sicherlich auch leicht in ein Flow-Gefühl hinein. Jetzt fragst Du Dich aber vielleicht:

Was mache ich mit Aufgaben, die ich nicht gerne erledige?

Zum Thema Müll runter bringen habe ich schon einen Artikel geschrieben, aber diesmal soll es um grundsätzliche Tipps gehen.

Gamification und Flow sind zwei neuzeitliche Namen für altbekannte Prinzipien. Auch Mary Poppins wusste schon, wie man lästige Aufgaben mit einem Löffelchen voll Zucker versüßt:

https://www.youtube.com/watch?v=IirOg9Vz4zc

Es gibt kein generelles Erfolgsrezept, mit dem jeder glücklich wird. Aber …

Den eigenen spielerischen Weg finden; das kann jeder!

Denn es gibt 3 Erfolgsprinzipien, mit denen ich einige meiner Wege erschaffen habe. Ich habe mir mal alle meine Flow-Erlebnisse angeschaut und dabei auf Gemeinsamkeiten geachtet.

1. Erfolgsprinzip: konkretes Schlüsselverhalten

Nicht wissen, was als nächstes zu Tun ist, das bringt uns aus dem Flow heraus. Deswegen will ich mir keinen Kopf darüber machen müssen. Also:

Ich brauche ein konkretes Schlüsselverhalten!

Also das genaue Wissen, was ich tun muss und wie ich das tun muss. Fehlt mir noch Wissen, um mit dem ersten Schritt loszulegen? Dann muss ich mir das schleunigst aneignen.

2. Erfolgsprinzip: Tun

Klingt vielleicht komisch, aber dieser Schritt ist der WICHTIGSTE. Der Flow-Effekt setzt nur beim TUN ein.

Also Arsch hoch! Fang an. Am Besten Heute. Noch besser JETZT!

Und nicht so 🙂

3. Erfolgsprinzip: kurze Feedback-Schleifen

Und dann es noch wichtig, dass Du schnell und unmittelbar eine Rückmeldung bekommst, ob Du auf dem richtigen Weg bist. Das war in meinem Flip-Chart-Kurs so, das ist im Hochseilgarten so (falscher Schritt und Du hängst erstmal in den Seilen) und beim Spielen so.

Hol Dir Feedback, am Besten automatisch!

Der Flow-Kanal, zwischen Stress und Langeweile

Flow, Stress, LangeweileUnd dann gibt es noch 2 Leitplanken. Nämlich Anzeichen, dass Du gleich aus dem Flow heraus fällst. Das sind Stress und Langeweile. Solange Du innerhalb des Korridor bleibst, bleibst du im Flow-Gefühl drin.

Also:

Such Dir Dein konkretes Schlüsselverhalten weise aus. Oder nimm Dir einen Mentor oder Trainer! Und dann leg los!

Übrigens machen Spiele-Designer nichts Anderes. Sie sorgen dafür, dass Du immer in diesem Flow-Kanal bleibst, um das Spiel so für Dich interessant zu machen. Das gilt für digitale Spiele, Brettspiele und auch für Gamification.

Die Starthürde muss so gering wie möglich gehalten werden. Erst nach den ersten Erfolgserlebnissen darf der Schwierigkeitsgrad stückweise angehoben werden. Und da die Lernkurve nach oben schießt, werden die Belohnungen auch immer weiter nach hinten geschoben. Dann muss für den „Boss-Kampf“ trainiert werden, der vielleicht nicht beim ersten Mal erfolgreich endet.

Flow-Party

Dieser Artikel ist für die Blogparty von Lebenskünstler Karl entstanden. Es gibt schon viele spannende Artikel, die den Flow von mehreren Seiten betrachten. Zum Beispiel schlägt Andrea Giesler vor, den Flow ganz bewusst zu planen. Wenn Du auch Blogger bist, schreibe doch einen Artikel über Deine Erlebnisse und Gedanken zum Flow.

 

Welche Erfahrungen hast Du mit dem Flow gemacht?

david_signatur

P.S.: Spiel Dein Spiel

8 Ideen, Deinen WordPress Blog mit Gamification zu ruinieren
Wie komme ich an Geld? Meine 10 Glaubenssätze zu Geld

Ooh, der Artikel ist ja schon zu Ende!
Hast Du Dich schon für den SpielTriebWerk-Newsletter eingetragen?

Ich gebe Deine Adresse nicht weiter. Ehrenwort!

8 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo David,

    interessanter Artikel über den Flow. Bisher fand ich ihn nur bei angenehmen/interessanten Aufgaben. Werde die Tipps beim nächsten Mal auch bei den unschönen Aufgaben mal ausprobieren.

    Viele Grüße
    Anna

  2. Lieber David, danke für diesen informativen und gut recherchierten Artikel. Flow ist etwas Wunderbares und er entsteht bei mir immer, wenn ich weiß, was ich will und was ich auch als nächstes dafür tun muss. Es bedarf vieler kleiner Schritte, die dann letztlich auch zum Ergebnis führen. Spannend wird es dann, wenn das Ergebnis irgendwann nicht mehr so wichtig ist, sondern das TUN darüber entscheidet, wie es weitergeht. Liebe Grüße Cornelia

    1. super Satz Cornelia:

      Spannend wird es dann, wenn das Ergebnis irgendwann nicht mehr so wichtig ist, sondern das TUN darüber entscheidet, wie es weitergeht.

      Das trifft es auf den Punkt.

  3. Lieber David

    ein Löffelchen Zucker…ja, ich liebe Mary Poppins.
    Bei unliebsamen Aufgaben stell ich mir nen Timer – nicht mehr als 30 min am Tag putzen.
    Das funktioniert wunderbar, okay, manchmal stelle ich auch nur 15 min. Aber immerhin! Das macht unliebsame Aufgaben überschaubar.
    Am leichtesten komme ich in den Flow – wenn ich im Hier und Jetzt bin, nicht über gestern nachdenke oder über morgen grübel.
    Danke für deinen Artikel
    Veronika

    1. Danke Veronika, der Tipp mit dem Timer gefällt mir super. Ich muss mir manche Aufgaben auch so down-sizen, bis ich sofort bereit bin, loszulegen. Ein wunderbarer Tipp gegen Aufschieberitis.

  4. Lieber David,

    schön, das Thema Flow bei unangenehmen Tätigkeiten noch einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel aufgegriffen zu finden 🙂
    Da dein Artikel meinen eigenen so schön ergänzt, habe ich mir erlaubt, ihn auf meiner Facebook-Seite zu teilen.

    Viel (spielerischen) Erfolg weiterhin!
    Liebe Grüße, Marie

    1. Liebe Marie, vielen Dank für den tollen Kommentar und das Teilen. Das finde ich an Blog-Paraden so spannend. Ein Thema, ganz viele Blickwinkel. Manche sind total gegensätzlich, andere ähnlich, aber alle ergänzen sich. 🙂
      Viele Grüße, David

  5. Lieber David,
    die 3 Prinzipien kann ich wunderbar so unterschreiben. Auch dieses Gefühl, sich zwischen Stress und Langeweile zu bewegen, ist für mich genau richtig erfasst.
    Und, wie bringe ich mich in den Flow? Das habe ich ja bereits in einem Artikel beschrieben. Danke für den Hinweis hierauf!
    Liebe Grüße, Andrea

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